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Don't Look Back 🌃

  • Autorenbild: Carrie Dane
    Carrie Dane
  • 22. Nov. 2022
  • 8 Min. Lesezeit

Eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse des ersten Teils. Morgen um 18.00 Uhr geht es dann endlich weiter mit: "Don't Look Back - Teil II".

Mein Name ist Jasper Lattimer, mittlerweile bin ich Achtzehenjahre alt.


»Wobei, vielleicht ist der Zeitpunkt gekommen, die Zeiträume von nun an anders zu zählen? Möglich, doch an dieser Stelle eine unwichtige Überlegung.«


Kaum ein halbes Jahr ist vergangen, seitdem ich das Elternhaus verließ. Nicht, aus einem Überschwang an Teenagerleichtsinn, sondern weil man mir keine Wahl ließ, denn ich habe eine Tochter – Clementine. Mittlerweile ist sie drei und seit dem Tag ihrer Geburt würde ich alles für sie opfern.


»Eine weitere Tatsache, die ebenfalls einer neuerlichen Überprüfung bedarf. Allerdings genauso wenig an dieser Stelle.«


Ihre Mutter – Valery – holte sie damals, nach einem der Wochenenden, an denen die Kleine bei mir blieb, nicht ab. Ein herzloser Zettel im Briefkasten war ihre gesamte Erklärung. Lediglich drei Worte, mehr war sie ihr nicht wert: Kümmere du dich – V.

Es war durchaus ein Schock, doch keine Katastrophe. Unser Haus war weitläufig, Geld zum Leben war vorhanden, die Unterhaltszahlungen stets beglichen. Clem nun dauerhaft bei mir zu haben, hätte kaum einen Unterschied gemacht. Zumindest sah ich es so. Mein Vater und auch meine Mutter hingegen hegten andere Pläne. Sie standen ihrer unerwarteten Enkelin von vornherein skeptisch gegenüber. Wie allumfänglich ihr Groll war, merkte ich schließlich erst dann. Sie bestanden darauf, dass ich sie abgebe. Völlig kompromisslos beharrten sie auf ihrem Standpunkt – Tag um Tag, wieder und wieder. Ohne Frage benötigten sie mein Einverständnis, welches ich standhaft verweigerte, doch aus den Erfahrungen wusste ich: Irgendwann beugst du dich jedem elterlichen Wunsch. Die Angst, hierbei ebenfalls das Rückgrat zu verlieren, wuchs ins Unermessliche. Aus Sorge vor den Konsequenzen lief ich mit Clementine davon. Es erschien als einzig möglicher Ausweg.


Unsere Odyssee brachte uns nach San Myshuno. Ohne nennenswerte Geldreserve, gänzlich bar von Obdach, und vollkommen planlos. Wenige Tage reichten und der Hunger begann nicht nur an mir zu nagen. Der Versuch, Arbeit zu finden – hoffnungslos mit einem Kleinkind. Das Betteln trug kaum etwas ein, außer der Sorge, jemand könne eine Behörde einschalten, wenn man uns auf der Straße sitzen sah. Und stehlen? Das ist nicht meine Art. Abgesehen davon hätte es bei dem mir eigenen Glück vermutlich nur dazu geführt, dass ich erwischt worden wäre, und der Ausgang dieses Szenarios war leicht vorzustellen.

Somit blieb irgendwann, neben der Aufgabe und Rückkehr nach Hause, nur das Letzte übrig, das ich tun wollte. So lange wie möglich sträubte ich mich. Nichtsdestotrotz wurde der Hunger schließlich zu groß. Wie einfach es war, sich selbst zu verkaufen, kam überraschend. Wie viel Selbstachtung es mir raubte, ebenfalls. Von all den Erfahrungen, die ich in dieser Zeit machte, will ich nicht sprechen, am liebsten nie wieder. Mein einziges Bedürfnis ist Vergessen, doch die Erinnerungen geben nicht auf. Auch der Umstand, dass ich einem dieser Kerle letztlich die Begegnung mit Caleb verdanke, lässt mich nicht sanfter schlummern.


»Wobei schlafen? Vermutlich muss ich das gar nicht mehr, oder ...? Eine weitere Sache, über die ich mit ihm reden sollte. Allerdings ebenfalls für den Moment egal. Wo war ich? Ach ja ...!«

Dieser eine Kerl ... hätte er nicht wie ein Wahnsinniger auf meinen Körper eingeprügelt, hätte mir nicht die Rippen gebrochen, dann wäre ich am darauffolgenden Tag nicht auf der Straße ohnmächtig zusammengesackt und Caleb wäre niemals zum Handeln gezwungen gewesen.

Er nahm mich und Clementine mit, zu sich nach Hause. Sein Angebot zu bleiben bestand von der Sekunde an, doch ich habe ihm nicht vertraut - selbst wenn ich mir bereits zu dem Zeitpunkt nichts sehnlicher wünschte als genau das. Dann, als mir keine andere Wahl mehr blieb, willigte ich endlich ein.


Von dem Tag an harmonierte es zwischen uns. Vieles von dem, was er sagte, wusste ich nicht richtig einzuordnen. Erst jetzt – rückblickend – ergibt es Sinn. Seine Sorge, sein Verständnis und all seine Wärme ... vor allem seine seltsame Gabe die Dinge anzusprechen, die in meinem Inneren vorgingen und die ich nicht über die Lippen brachte. Irgendwann gab es einen Zeitpunkt, da hielt ich es für durchaus wahrscheinlich, dass er Gedanken las. Aber das ist selbstverständlich Unsinn. Er besitzt ein verborgenes Talent, eine einzigartige Fähigkeit. Seine ausgeprägte Befähigung zur Empathie. Er ist in der Lage die Gefühle anderer wahrzunehmen. Was genau das heißt, begreife ich momentan noch nicht. Die kurze Zeit, die uns bisher blieb, seitdem ich all das über ihn weiß, reichte lediglich zu einer rudimentären Erklärung. Außerdem sagte er, es sei einfacher, je ähnlicher jemand ihm ist. Unsere Innenleben und unser Schicksal, gleichen sich an manchen Stellen erschreckend. Ohne Frage ist das, was Caleb widerfuhr, weitaus schmerzvoller als das bisschen Elend, durch welches ich wanderte. Sein Martyrium dauerte länger als ein Jahrzehnt ... was zählen da schon die wenigen Monate?


»Wenn ich recht überlege, sollte ich mich schämen, dass diese Erfahrungen überhaupt je Einfluss auf mein Seelenleben ausübten, und mittlerweile ist wirklich mehr als genügend Zeit vergangen, um darüber hinwegzukommen. Wie immer gelingt mir natürlich auch das nicht. Doch Zurück zum Thema!«


Aaron - derjenige, der ihn zu dem machte, was er nun ist, der ihm vor vielen Dekaden alle seine Hoffnung und vieles mehr nahm - ist jetzt Tod. Endgültig.


»Zumindest etwas, dass ich zuwege brachte ...!«


Als wir beide vor knapp einer Woche von unserem Ausflug aus den Bergen zurückkehrten, wartete der Kerl in der Wohnung. Auf einem der Sofas thronend eröffnete er Caleb über all die Jahre im Auge behalten zu haben, ohne dass dieser es ahnte. Der Verrückte gab vor – nein, er existierte in der felsenfesten Vorstellung, sie seien füreinander bestimmt, wahre Liebende sozusagen.


»Mein Magen zieht sich zusammen, wenn ich daran denke, dass er das, was er ihm je antat, damit rechtfertigte. Ich verstehe nicht, wie jemand Liebe derart pervertieren kann. Wie dem auch sei ...!«


Er zwang Caleb, mir zu zeigen, welches Wesen er in Wahrheit in sich trägt. Bis zu diesem Augenblick vermutete nichts in mir, dass kein Mensch vor mir stand. Vampire taugten für Bücher und Filme ... mehr nicht. Darüber nachgedacht, dass sie mitten unter uns wandelten, habe ich nie. Der Gedanke erschien völlig lächerlich. Den Schock zu sehen wie er sich vor mir verwandelte – seine schwarzen, lichtlosen Augen –, und der winzige Augenblick des Schmerzes, der mich durchfuhr, als er seine Zähne in meinen Hals grub. ...Ich wünschte, ich hätte die Wahrheit anders erfahren. Nichtsdestotrotz ist es nicht seine Schuld, dass es so kam. Niemals würde ich ihn verantwortlich machen!


Als ich auf dem Boden unserer Wohnung wieder zu mir kam, waren Aaron und er verschwunden. Dafür stand Konstantin vor mir, sein bester Freund. Der arme Kerl war auf der Suche nach Caleb. Er wollte ihn vor Aaron warnen, nichtsdestoweniger kam er zu spät, das begriff er trotz meines Gestammels schnell. Ebenso, dass ich nahe daran schien den Verstand zu verlieren. Kurz darauf versuchte ich in blinder Panik zu fliehen, wohin war egal – Hauptsache fort aus der Wohnung, doch er ließ es nicht zu. Etwas für das ich ihm bis in alle Unendlichkeit dankbar sein werde. Stattdessen verfrachtete er mich zu Lucien – Calebs vampirischen Ziehvater und dem Regenten des hiesigen Vampirgebietes, wie ich nun weiß. Ungeachtet der Sorge, die er sich auf der Stelle um sein Mündel machte, waren ihm die Hände gebunden. Es gab keinen Umstand, der das Eingreifen eines Machthabers rechtfertigte, und ich verstand warum. Es wäre ein leichtes ihm Machtmissbrauch vorzuwerfen. Caleb folgte Aaron freiwillig, das war uns allen binnen kürzester Zeit klar. Welchen Plan er fasste ebenfalls. So wie es sich darstellte, erschien ihm ein endgültiger Tod als einziger Ausweg. Einerseits um mich in Sicherheit zu wissen, andererseits um Aarons Wahnsinn ein für alle Male zu entkommen.


»Bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Verrückte bei uns auftauchte, habe ich überhaupt nicht gesehen, wie wenig seiner Vergangenheit er je verarbeitete. Nicht zuletzt dafür muss ich mich entschuldigen, sobald wir zu Hause sind. Es tut mir so leid!«


Konstantin hingegen ließ sich nicht von Luciens Bedenken abhalten. Als Mann, in dem sich Hexenwerk und Vampirismus zu einer gänzlich eigenen Mischung verbanden, war der Hybrid niemands treuer Gefolgsmann. Weder unterstand er der Monarchie noch dem Rat der Magier.


»Ehrlich gesagt, so wie ich ihn bisher kennengelernt habe, wäre es ihm auch bei anderer Sachlage herzlich egal gewesen.«


Er entschloss, die Dinge in die eigenen Hände zu nehmen.


Zusammen machten wir uns auf den Weg zu Aaron, doch natürlich ging die Sache schief. Caleb zu entdecken und zu überzeugen mit mir zu kommen dauerte zu lange. Es war meine Schuld, dass Aaron es gelang, einen Vorteil zu finden, der Konstantin daran hinderte ihn zu töten. Dem Hybriden blieb keine Wahl. Fürs Erste geschlagen räumte er das Feld.

Mir hingegen überließ der Wahnsinnige eine Entscheidung. Entweder Caleb für immer aufzugeben, oder aber damit zurechtzukommen dieses Haus nie wieder zu verlassen. Mein Entschluss fiel ohne einen Wimpernschlag darüber nachzudenken – ich würde niemals von seiner Seite verschwinden. Mithilfe vampirischer Fähigkeiten befahl der Geisteskranke mir, mich selbst zu richten, sollte ich es je wagen dem Ort den Rücken zu kehren. Somit saßen Caleb und ich zusammen in dem verdammten Gebäude und nach und nach verstand ich, was Aaron mit all dem bezweckte. Er wollte Caleb den Nachweis erbringen, dass er der Einzige war, der ihn je liebte.

Allein dieser Vorsatz ergab bereits keinerlei Sinn und genauso weniger taten es die Dinge, die er unternahm, um es zu beweisen. Bei allem, was er veranstaltete, ist der Umstand, dass er es tatsächlich schaffte, dass ich mich auf ihn einließ, etwas das ich mir niemals verzeihen werde.


»Ich habe keine Ahnung, wie ich diese Schuld je wiedergutmachen soll. Caleb sieht es anders, das hat er mir versichert, sofort nachdem die Sache vorbei war. Er sagte, es gab nie eine Chance für mich, diesen Ausgang zu verhindern. Doch so einfach kann ich es mir nicht machen. Ich hätte stärker sein müssen – für ihn! Ich habe ihn betrogen. Das ist die bittere Wahrheit – Vampirfähigkeiten hin oder her. ...Ich will darüber nicht weiter nachdenken. ...Später vielleicht.«


Warum Aaron zum Schluss der Geduldsfaden riss und er mir sein Blut aufzwang, ist mir schleierhaft, auch was er damit bezweckte. Ebenso beschleicht mich das Gefühl, Caleb ergeht es ähnlich, doch um es zu besprechen, fehlte bisher die Zeit. Selbes gilt für den Umstand, dass ihm nur noch eine Wahl blieb, um mich zu retten. Die finale Entscheidung überließ er mir – eine Existenz als Vampir oder der endgültige Tod. Trotz all der Schmerzen, die in meinem Körper wüteten, die mir schier den Verstand raubten, gab es nur eine richtige Möglichkeit. Wäre ich gegangen, es hätte ihn ebenso getötet. Dieses Leben geben für seines? Simpel, zu welcher Seite sich die Waagschale neigte.

Was genau die Existenz nun für mich bedeutet, wird sich zeigen. Ich weiß gar nichts darüber, was es heißt, so zu erwachen. Woher auch, diese Wiedergeburt ist erst wenige Stunden her. In jedem Fall begann sie mit einem Mord.


»Wobei nennt man das so? Schließlich war es Aarons Herz, das ich aus seinem Brustkorb riss. Eine andere Entscheidung und Caleb wäre gestorben.«


Ich erwachte buchstäblich in letzter Sekunde. Warum die beiden aufeinander losgingen, ist mir nicht klar. Zu dieser Zeit lag ich am Boden. ...Tod? ...In jedem Fall ohne Bewusstsein. Als Konstantin zurückkehrte – natürlich tat er das – war bereits alles vorbei.


Jetzt sitzen Caleb und ich in dem Oldtimer des Freundes, währen dieser die Spuren beseitigt. Wir zwei fahren nach Hause und ein befremdlicher Hunger ergreift zusehends fordernder von mir Besitz. Das Gefühl lässt mich zittern, oder liegt es an dem, das vorgefallen ist? Sämtliches in mir fühlt sich sonderbar an. Eigenwillig gefangen zwischen tiefer Erschöpfung und bodenlosem Elend, anders weiß ich es nicht zu beschreiben. Ist das normal? Eine weitere Sache, die ich ihn fragen muss, doch damit warte ich, bis wir zu Hause sind.

Der zweite Teil von "Don't Look Back" startet morgen, den 23.11.2022 um 18.00 Uhr. Hier auf meinem Blog, und auf meiner Facebook Seite.


 
 
 

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